Natural Hoof Care

Hier hat man sich (der Name deutet es ja schon sehr direkt an) dem naturbelassenen Huf verschrieben. Die Methode stammt aus Amerika und basiert auf den Beobachtungen von wild lebenden Pferden (sprich Mustangs). Dieses Wissen und diese Erkenntnisse werden auf die Bearbeitung der Hufe unserer Freizeitpferde übertragen. Bearbeitet werden die Huf, um das Ungleichgewicht zwischen dem Wachstum des Horns und dem Abrieb durch die verschiedenen Untergründe auszugleichen. Besonderheiten bei der Bearbeitung konnte ich bisher nicht feststellen. Auch habe ich keine besonderen Kriterien in Erfahrung bringen können, nach denen gearbeitet wird. Das heißt aber nicht, das hier besser oder schlechter gearbeitet wird als von anderen Hufpflegern. Wie immer kommt es auch hier auf den einzelnen Hufpfleger an, was er aus seiner Ausbildung macht, welche Berufserfahrungen er hat, wie motiviert er ist und nicht zuletzt wie man als Pferdehalter/Reiter persönlich mit dem Hufpfleger auskommt.

Herausgestellt wird ferner die Wichtigkeit der Haltungsumstände. Viel Bewegung der Tiere und richtige Ernährung sind weitere Grundvoraussetzungen für einen gesunden Huf. Dem will (und kann) ich nicht widersprechen. Viele unserer Freizeitpferde haben viel zu wenig Bewegung. Auch bezüglich der Haltung kann man dieser Schule nur zustimmen. Aber leider kann nicht jeder Pferdehalter seinem Reittier einen genügend großen und mit System gebauten Offenstall mit einer stabilen, nicht so häufig wechselnden Gemeinschaft bieten. Die Theorie ist schön, an der Praxis hapert es leider bei vielen Reitern, die sich mit den Gegebenheiten arrangieren müssen.

Fazit: Ob sich Beobachtungen an Mustangs, die für uns Europäer unvorstellbar viel Platz haben und sich frei bewegen können, auf die Pferde hier in Europa übertragen lassen wage ich allerdings zu bezweifeln. Aber als Grundlagenforschung sicherlich gut geeignet.

Also einfach mal ausprobieren oder mal bei der Hufpflege zuschauen (sofern sich die Möglichkeit ergibt). Ansonsten gilt auch hier meine Empfehlung einen Hufpfleger zu bevorzugen, der erklärt was er da macht, warum er das macht und nicht zuletzt sollte die Chemie zwischen Halter, Hufpfleger und Pferd stimmen.

Nachtrag vom 10.03.2012
Übrigens ist mir zum Thema wildlebende Pferde noch die Dissertation von Brian Hampson in die Finger gefallen. Die kann ich hier natürlich nicht vollständig behandeln, dass würde sicherlich zu weit führen. Aufgefallen und erwähnenswert finde ich aber die folgenden Beobachtungen an wild lebenden Pferden in Australien. Nach seinen Beobachtungen passt sich der Huf den Böden an. Insbesondere harte Böden führen zu hohen Beanspruchungen, so dass die Hufe Schaden nehmen. Teilweise sahen sogar krankhaft veränderte Hufe von außen noch sehr gut aus. Am besten sind danach wohl gemischte Böden für die Pferdehaltung zu bevorzugen. Interessant fand ich auch die Information, dass der Feuchtigkeitsgehalt der Hufe im Grunde unabhängig von der Umgebung (egal ob Wüste oder Subtropen) war.

Eine Antwort auf Natural Hoof Care

  1. Daniela Schmidt sagt:

    „Aber leider kann nicht jeder Pferdehalter seinem Reittier einen genügend großen und mit System gebauten Offenstall mit einer stabilen, nicht so häufig wechselnden Gemeinschaft bieten. Die Theorie ist schön, an der Praxis hapert es leider bei vielen Reitern, die sich mit den Gegebenheiten arrangieren müssen.“

    Und genau hier liegt das Problem! Warum kann er das nicht? Weil die meisten Pferde noch immer in Käfigen vor sich hin vegetieren und (wenn sie Glück haben) einige Stunden raus auf die Weide/ Paddock dürfen… Und was ist mit der anderen Hälfte des Tages? Da steht sich das Lauf(!!)tier Pferd gezwungenermaßen die Beine in den Bauch und entwickelt physische UND psychische Störungen.

    Und selbst WENN das Pferd immerhin in einem Offenstall mit anderen Pferden lebt, steht es meistens auf einem mehr oder weniger großen Viereck herum und langweilt sich.

    Glücklicherweise gibt es inzwischen endlich einige (leider viel zu wenige) Menschen, die sich darüber ernsthaft Gedanken machen und dem Pferd wenigstens einen Paddock Trail ermöglichen. Und dafür braucht man keine tausend Meilen Prärie!! Das funktioniert wunderbar auf stinknormalen deutschen Otto- Normal- Paddockflächen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.